Wildgehölze im naturnahen Garten

Mit der Verwendung heimischer Gehölze im Garten kann z.B. eine Hecke ein wahres Wunder der Multifunktionalität sein, anstatt nur Sichtschutz. Heimische Gehölze und naturnahe Sorten sind nicht nur Gestaltungselemente, sondern haben noch mehr Funktionen im Lebensraum Garten, die wir wertschätzen und nutzen können:

  • eine Mischung aus verschiedenen heimischen Sträuchern, oder deren klein bleibenden Sorten, wie z.B. Wildrosen oder die Säulenform des Wasser-Schneeballs (Viburnum opulus ´Fastigiatum´), die sich auch ohne Schnitt nicht zu breit machen, bringt eine Vielfalt an Blüten, Nektar, Farben und Formen in den Garten,
  • Wildobst bringt Abwechslung in die Küche und ist Winternahrung für Vögel,
  • durch die Ansaat eines Wildblumensaums bei der Anlage der Hecke, je nach Ausrichtung mit Schatten- oder Sonnenstauden lässt sich noch mehr Artenvielfalt und Attraktivität für Mensch und Tier schaffen,
  • das Einbringen von "wilden Strukturelementen", wie Holz-, Ast-, Stein-, Kies- oder Laubhaufen erhöht die Lebensraumqualität für Insekten, Vögel, Eidechsen, Amphibien, Igel...

Wildobst

Im Naturgarten kann Wildobst Kulturobstsorten auch ganz ersetzen. Dann kann man auf großfruchtige Sorten und Auslesen zurückgreift, wie es sie von vielen heimischen Gehölzen gibt. So zum Beispiel die Sorte ´Jolico´ der Kornelkirsche (Cornus mas), die deutlich größere, sehr zucker- und vitaminreiche Früchte trägt.

Auch vom Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) gibt es großfruchtige und reichtragende Sorten für den naturnahen Garten. Der Holler, der ja fast in jedem Naturgarten irgendwo von alleine erscheint, bildet auch besonders große Fruchtdolden, wenn regelmäßig die mindestens 3-jährigen, abgetragenen Triebe entfernt werden. Ein Eimer Beeren für Saft und Gelee ist dann schnell gesammelt, und es dürfen natürlich noch genug Beeren für die Vögel übrig bleiben.

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Projektbeispiel

Wildsträucher-Hecke

Privatgarten in Marquartstein

vorher

Zwischen Straße und Haus steht ein zwei bis fünf Meter breiter Streifen für die Pflanzung einer Wildsträucher-Hecke zur Verfügung. Noch wachsen hier Hochstauden und Springkraut. Im Hintergrund schließt sich ein Feldgehölz mit Eschen, Ahorn und Weiden an, in dem schon Holzstapel und Steinhaufen als Biotopelemente angelegt wurden.

Im Oktober wurde die Fläche mit einem Balkenmäher gemäht. Das Mähgut wurde 2 Tage später abgeräumt, so dass sich in der Zwischenzeit alle Kleintiere in die benachbarten Flächen zurückziehen konnten. Nun wurden mit dem Minibagger große Pflanzgruben ausgehoben, wobei die Bodenschichten getrennt gelagert wurden.

nachher

17 heimische und zum Standort passende Wildsträucher aus regionaler, biologischer Anzucht wurden ein- bis dreireihig und mit an die Wuchsgrößen der Sträucher angepassten Pflanzabständen gepflanzt. Schließlich wurde noch ein ausdauernder Schmetterlings- und Wildbienensaum angesät. Alles andere als eintönig sind auch die Blühzeiten der Sträucher von April bis Juni und die Wildfrüchte, die die Hecke schon im nächsten Jahr hervorbringen wird. So vielfältig kann eine Hecke sein.



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Gehölzpflege

Durch Auf-den-Stock-setzen können freiwachsende, verkahlende Wildgehölzhecken verjüngt werden. Etwa alle 10-15 Jahre werden die Gehölze dabei an einem trockenen Wintertag, durch saubere, nach außen zeigende Schnitte knapp über dem Wurzelstock zurückgeschnitten. Im Frühjahr treiben die Gehölze mit frischem Grün wieder aus. Diese recht radikale Maßnahme sollte nur abschnittsweise erfolgen, um Rückzugsbereiche für alle Heckenbewohner zu erhalten. Wenn genug Platz vorhanden ist, kann der Strauchschnitt auch zwischen den Gehölzen aufgeschichtet werden, und damit eine dichte Benjeshecke als Lebensraumelement entsteht. 
Einige Gehölze, wie Weißdorn, Vogelkirsche, Birne, Apfel, Mehlbeere und Walnuss vertragen diese Schnittmaßnahme nicht und sollten möglichst frei wachsen dürfen. Aber auch gut schnittverträgliche Arten, wie Hasel, Eberesche oder Holunder sollten dieser Pflege nicht zu oft unterzogen werden.       


Pflanzung von Gehölzen

Auch wenn es verlockend ist, gleich größere Gehölze zu pflanzen, bevorzuge ich die Pflanzung kleiner Qualitäten, also nur 60 bis 100 cm hoher, nicht öfter als 2 mal verpflanzter Sträucher. Sie sind nicht nur kostengünstiger sondern bringen meist auch bessere Anwachserfolge.

Zur Herkunft der Pflanzen: im Gegensatz zur freien Landschaft sind im Garten auch gebietsfremde Herkünfte erlaubt. Es kann also z.B. in Bayern auch ein in Holland gezogener Strauch gepflanzt werden. Wenn irgendwie möglich sollte aber auf autochthone Pflanzen zurückgegriffen werden, also auf Pflanzen aus dem gleichen Herkunftsgebiet. Denn diese sind optimal an die klimatischen Bedingungen angepasst.

Vor der Pflanzung sollte der Boden nicht umgegraben sondern nur tief gelockert werden, um das Bodenleben nicht "umzukrempeln". Die Pflanzgrube soll gut 1/3 tiefer und breiter sein, als der Ballen oder die Wurzeln. Auf die Zugabe von Dünger oder Torf wird bei Wildpflanzen verzichtet, ein sehr schwerer Boden kann aber mit Kies gemischt werden. Vor dem Pflanzen können Wurzeln über ca. 5 mm Dicke zurückgeschnitten werden, um das Feinwurzelwachstum anzuregen. Stark durchwurzelte Ballen von mehreren Seiten etwas aufbrechen und lockern. Sind Wurzeln oder Ballen sehr trocken, die Pflanze erst mal ins Wasser legen. Beim Einsetzen der Pflanzen den Boden nicht zu stark verdichten und gut eingießen.

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